Trotz langer Beruf­ser­fahrung staune ich immer wieder darüber, wie wichtig die Man­dan­ten ihre eigene Angele­gen­heit nehmen (und für uns ist sie in der Tat wichtig), wie ger­ing allerd­ings der beauf­tragte Anwalt und seine Arbeit geschätzt werden.

Ich vertrete einen schw­er kreb­skranken Man­dan­ten, der dem Tode näher ist als dem Leben. Wir woll­ten die neue geset­zliche Regelung nutzen und ein auf THC basieren­des Medika­ment von der Krankenkasse bezahlt bekom­men, also ein Cannabis­pro­dukt. Dieses ver­schafft dem Man­dan­ten bei starken Schmerzen schnelle und effek­tive Linderung.

Nach­dem das Sozial­gericht den Eilantrag abgelehnt hat – die Tropfen seien nicht über­mäßig teuer, die 400 € pro Monat soll der Man­dant vor­läu­fig selb­st bezahlen – woll­ten wir jet­zt in der Haupt­sache gegen die Krankenkasse kla­gen. Dieses wird allerd­ings wohl daran scheit­ern, dass unser Man­dant unsere erste Rech­nung nicht bezahlen will. Die Kosten für das gerichtliche Eil­ver­fahren hält er für zu hoch. Dann hat er kein Inter­esse mehr an der Angelegenheit.

Ich ste­he da mit offen­em Mund und staune. Ich wollte als pro­fes­sioneller und fachkundi­ger Helfer dem dem Tode gewei­ht­en Man­dan­ten mit aller Kraft zu seinem Recht ver­helfen. Das geht aber natür­lich nur, wenn mein­er Leis­tung eine angemessene Gegen­leis­tung ent­ge­gen­ste­ht. Ich halte das für normal!

Das Man­dat wird wohl in Kürze been­det wer­den. Das Eil­ver­fahren muss der Man­dant natür­lich trotz­dem bezahlen. In der Sache selb­st hät­ten wir gute Chan­cen gehabt. Die Krankenkasse ver­weigert zu Unrecht die Über­nahme der Kosten und sitzt schein­bar die Prob­lematik aus. In der Haupt­sache wäre sie gewiss verurteilt worden.